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Importstopp – was nun?

China möchte nicht mehr die Müllkippe der Welt sein. Anfang des Jahres hat seine Regierung kurzerhand den Import verschiedener Abfallarten gestoppt. Im nächsten Jahr sollen gar keine Lieferungen mehr angenommen werden. Stattdessen arbeitet man in der Volksrepublik mit Hochdruck am Aufbau einer eigenen Kreislaufwirtschaft. Abfall-Exporteure wie die USA und Japan, aber auch die EU stellt das vor Herausforderungen. Aber der Importstopp bietet auch Chancen. Ein Gespräch mit dem ALBA Group- Vorstandsvorsitzenden Axel Schweitzer.

Mehr als die Hälfte des weltweiten Mülls landete bisher in China. Damit ist jetzt Schluss.

China ändert seine Abfall-Strategie und sorgt damit weltweit für Aufsehen. Was ist da los, Herr Schweitzer?

Anfang des Jahres hat die Regierung in Peking einen Importstopp für 24 Abfallarten bekannt gegeben, darunter auch Altpapier, unsortierte Plastikabfälle und Textilien. 56 Prozent der weltweiten Plastikabfälle landeten zuletzt in China. Allein die USA, Japan und die EU-Mitgliedstaaten verkauften 2016 rund 7,3 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle in die Volksrepublik. Ab 2019 soll der Import nun sogar ganz eingestellt werden. Das hat natürlich weltweite Auswirkungen. Die Dualen Systeme sind davon übrigens nicht betroffen. Über 90 Prozent der Verpackungsabfälle werden in Deutschland recycelt.

 

Was bezweckt China mit dem Importstopp?

China geht konsequent den nächsten Schritt in Richtung Nachhaltigkeit: Einerseits konzentriert man sich darauf, eigenes Material aufzuarbeiten und andererseits, unsaubere Anlagen stillzulegen. Die Volksrepublik hat mit ihrem aktuellen Fünfjahresplan 2016 auch einen nationalen Plan zur Verbesserung der Umwelt veröffentlicht. Für den Luft-, Wasser- und Bodenschutz sind darin strenge Richtlinien festgelegt und dazu gehört auch der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft. Wir als ALBA Group helfen mit unseren verschiedenen Aktivitäten aktiv bei der Verwirklichung dieser Ziele mit und bringen unser Know-how ein – sei es im Recycling oder in der Abfallvermeidung.

Inwieweit ist ALBA vom Importstopp betroffen?

Tatsächlich sind wir kaum betroffen, da unsere Abnehmer im Wesentlichen in Deutschland und Europa sitzen. Zwei Kunststoffarten aus den Mengen unseres Dualen Systems Interseroh verarbeiten wir beispielsweise in unserem eigenen Werk in Eisenhüttenstadt. Und auch den größten Teil der Gewerbeabfälle recyceln wir hier vor Ort in Europa. ALBA macht also gewissermaßen vor, wie es anders geht.

Nicht wenigen bereitet die Entwicklung in China allerdings Kopfzerbrechen …

Das stimmt. Den Deutschen führt der Importstopp die Probleme der eigenen Recyclingwirtschaft vor Augen – vor allem im Bereich Kunststoffe: Während Papier und Glas fast sortenrein getrennt und hochwertig recycelt werden, werden schlecht sortierte Kunststoffabfälle zumeist entweder verbrannt oder ins Ausland exportiert. Der Importstopp ist also durchaus eine Chance, um auch hierzulande Verbesserungen auf den Weg zu bringen und Lösungsstrategien voranzutreiben.

Kunststoffnachfrage in der EU: Seit Jahren kaum Veränderung

Welche Rolle spielt dabei die ALBA Group?

Um die deutsche Kreislaufwirtschaft zu verbessern, müssen einerseits Absatzmärkte geschaffen werden: Kunststoffverpackungen werden heute immer noch überwiegend aus neuen Kunststoffen hergestellt statt aus Recyclingkunststoffen. Andererseits müssen aber auch – und da kommen wir ins Spiel – höhere Sortierqualitäten erreicht werden. Da gibt es momentan zwei technische Trends: erstens die Verbesserung der Sortiertechnik, zum Beispiel durch die Investition in neue Aggregate, die noch genauer und schneller arbeiten. Wir haben bereits die ersten Anlagen nachgerüstet, aber hier wird es sicherlich noch weitere Verbesserungen geben. Zweitens: die Digitalisierung. ALBA hat dafür bereits letzten Herbst ein eigenes InnovationLab gegründet, um neue Geschäftsideen zu entwickeln und gemeinsam mit Start-ups neue Technologien zu erproben. Schon heute optimieren wir unsere Tourenpläne in Echtzeit, um möglichst wenig Stau und Schadstoffe zu produzieren.

 

Auch in der EU gibt es ja jetzt Pläne zur Verbesserung der Kreislaufwirtschaft.

Die neue EU-Kunststoffstrategie, die letzten Monat vorgestellt wurde, ist sicher auch ein Schritt in die richtige Richtung. Bis 2030 sollen sämtliche Kunststoffverpackungen in der EU so gestaltet sein, dass sie wiederverwendet oder effizient recycelt werden können. Dazu will man auf recyclingfähigere Produkte, verstärkte Getrenntsammlung von Plastikabfällen, erhöhte Recyclingkapazitäten und einen größeren Absatzmarkt für Rezyklate setzen. Im Rahmen einer EU-weiten Kampagne bekommen Kunststoffproduzenten die Möglichkeit, sich freiwillig selber zu beteiligen. Sollte es auf diesem Weg nicht gelingen, könnte es auch zu einer gesetzlichen Verpflichtung kommen.

Welchen Stellenwert wird das Thema Abfallvermeidung in Zukunft haben?

Das Schließen von Kreisläufen – für ALBA immer schon ein zentrales Thema – wird weiter an Bedeutung gewinnen. Wir haben schon früh erkannt, dass sich unsere Vision einer Welt ohne Abfall nur mit Vermeidung erreichen lässt und dass ein Entsorgungsunternehmen wie ALBA nicht vom reinen Abfalltransport leben kann. Es gibt deshalb viele Beratungsprojekte und Geschäftsideen in unserem Unternehmen, bei denen es um Abfallvermeidung und das Schließen von Kreisläufen geht – angefangen vom Mehrwegpooling für Transportverpackungen bis hin zum nahezu geschlossenen Wertstoffkreislauf, den wir für Coca Cola realisiert haben.

 

Schließt den Kreislauf: Mehrwegpooling

Wie wird es also für ALBA weitergehen?

Für unsere gesamte Branche besteht die Aufgabe in den nächsten Jahren vor allem darin, die höheren gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen und aus den vorhandenen Mengen noch mehr Recycling-Rohstoffe zu gewinnen. Als Unternehmen haben wir uns in den letzten Jahren genau dafür gut aufgestellt. Ich bin, was die Zukunft der ALBA Group angeht, optimistisch.

Stimmen zur EU-Kunststoffstrategie

Peter Kurth, Präsident des Bundesverbands der deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE)

„Ohne die Einbeziehung der Produzenten werden wir das Ziel, bis 2030 das gesamte Verpackungsmaterial wiederzuverwerten, nicht erreichen. Die Entsorgungsunternehmen stehen für eine professionelle Sammlung und Aufbereitung der Kunststoffabfälle. Sie sind aber nicht verantwortlich für das Wiedereinschleusen der Rezyklate in die Produktion.“

Patrick Hasenkamp, Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU)

„Die Probleme mit ausufernden Plastikabfällen sind seit Jahren bekannt, ohne dass sich etwas geändert hat. Es ist gut, dass die Kommission nun die Plastikstrategie auf den Weg gebracht hat. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an.“

Thomas Fischer, Leiter für Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe

„Immer häufiger werden Verpackungen hergestellt, die faktisch nicht mehr recyclingfähig sind. Die EU-Plastikstrategie greift diesen wichtigen Punkt auf. Kompliziert und mehrschichtig aufgebaute Verbundstoffe sollen bis 2030 der Vergangenheit angehören. Hierfür müssen jedoch verbindliche Standards zur Recyclingfähigkeit festgelegt werden, welche es zum jetzigen Zeitpunkt in Deutschland nicht gibt.“

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