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Markus Müller-Drexel (links) und Prof. Dr. Bachmann (rechts)

 

„Wir müssen viel größer denken“

Ein Highlight des diesjährigen Nachhaltigkeitsmagazins ist das Gespräch zwischen dem Nachhaltigkeitsexperten Prof. Dr. Günther Bachmann (GB) und Markus Müller-Drexel (MMD) über die Bedeutung von Klimaschutzanstrengungen in der Kreislaufwirtschaft. Das vollständige Interview hören Sie unter www.interseroh.de/podcast.

Was bedeutet Kreislaufwirtschaft und welchen Beitrag kann sie zum Klimaschutz leisten?

MMD: Bei der Kreislaufwirtschaft geht es darum, Abfälle zu vermeiden, Produkte möglichst lange zu nutzen und vollständig zu recyceln. Rohstoffe aufzubereiten und wiederzuverwenden ist nur etwa halb so CO2-intensiv wie der Einsatz von Primärrohstoffen.

Herr Bachmann, 2016 haben Sie die These „Deutschland hat keine Kreislaufwirtschaft“ aufgestellt. Sehen Sie das heute immer noch so?

GB: Ja, das sehe ich leider immer noch so. In den 1980er und 1990er Jahren sind wir mit der Kreislaufwirtschaft groß gestartet, jedoch hat sich seitdem nicht viel getan. Das vorherrschende Denken muss durchbrochen werden. Es reicht eben nicht, Recyclingpapier zu kaufen – wir müssen viel größer denken.

MMD: Ich gebe Herrn Bachmann Recht, es dürfte noch viel mehr passieren. So muss schon am Anfang darüber nachgedacht werden, ob und wie die Rohstoffe am Ende der Nutzung recycelt werden können. Hier liegt noch viel Potenzial.

Wo sehen Sie den größten Hebel, damit die Kreislaufwirtschaft an Fahrt gewinnt?

MMD: Wir müssen mehr Anreize schaffen, damit Rohstoffe wieder dem Kreislauf zugeführt werden. Lithium-Ionen-Akkus zum Beispiel bestehen aus wertvollen Rohstoffen. Es wäre Verschwendung, sie nicht weiter zu nutzen. Eine Lösung dafür könnte ein Pfandsystem sein. Wir spüren, dass der Verbraucher Bereitschaft zeigt, sein Verhalten zu ändern – aber vieles weiß er schlichtweg nicht. Deswegen können unter anderem ökonomische Anreize zur Motivation helfen.

GB: Das ist richtig. Den entscheidenden Punkt sehe ich darin, dass Rohstoffe wieder in den Kreislauf gelangen. Denn das ist die Voraussetzung, um sie anschließend weiterzuverarbeiten und in neuen Produkten nutzen zu können. Dafür brauchen wir aber bessere Infrastrukturen. Und wir müssen auf ein vollständiges Rückführen von Plastikprodukten hinarbeiten. Das ist jedoch keine alleinige Aufgabe der Recyclingwirtschaft – hier müssen Industrie und Politik eng zusammenarbeiten.

Von der Industrie bis zum Verbraucher sind an der Kreislaufwirtschaft viele Akteure beteiligt. Wie können Lösungen umgesetzt werden, die für alle funktionieren?

MMD: Damit die Kreislaufwirtschaft ernsthaft angegangen wird, brauchen wir gesetzliche Vorgaben, um die Rahmenbedingungen zu definieren, die für alle gleichermaßen gültig sind. Schlussendlich muss aber jeder seinen Teil beitragen: von der Wirtschaft über Politik und Wissenschaft bis zur Gesellschaft.

GB: Alle Beteiligten müssen in den Prozess der Lösungsfindung mit einbezogen werden. Aber genauso wichtig ist es, ins Handeln zu kommen. Nur dann können wir die Kreislaufwirtschaft wirksam voranbringen.

Zur Person

Prof. Dr. Günther Bachmann leitete von 2001 bis März 2020 die Geschäftsstelle des Rates für Nachhaltige Entwicklung und beriet in dieser Funktion fast 20 Jahre lang die Bundesregierung. Im Dialog mit Müller-Drexel appelliert er unter anderem für verbesserte Strukturen zur Rückführung von Rohstoffen in den Kreislauf.

 

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